Milch ohne Gentechnik / VLOG-Kontrollen überflüssig!
In der Milchkuhernährung wird auf den Einsatz genetisch veränderter Futtermittel verzichtet. Mittlerweile gibt es keine nachvollziehbare Grundlage mehr für die Verhältnismäßigkeit von Kontrollen. Milchkuhhalter sollten – einem in Schweden praktizierten Modell folgend – durch Selbsterklärungen bestätigen können, dass sie auf den Einsatz von genetisch veränderten Pflanzen und Teilen davon in der Milchkuhfütterung verzichten.
Hinweis: unter „Downloads“ finden Sie eine Erklärung mit dem Titel: „Selbsterklärung für Milchkuhhalter: OGT-Fütterung“
2014/2015 wurden laut Information des Thünen-Instituts für Marktanalyse in Deutschland 0,4 Mio. Tonnen Sojaschrot an Rinder verfüttert. Der Gesamtverbrauch über alle Tierarten wurde mit 4,5 Mio. Tonnen beziffert.
Im Bezugsjahr 2018 betrug gemäß Destatis 2018, Branchenbefragungen, der Gesamtverbrauch 3,5 Mio. Tonnen. Für Rinder wird ein Verbrauch in Höhe von 0,1 bis 0,2 Mio. Tonnen ausgewiesen.
Gleichzeitig erhöhte sich insgesamt der Anteil gentechnisch unveränderten Sojaschrots von 0,9 – 1,0 Mio. Tonnen auf 1,0 bis 1,2 Mio. Tonnen bzw. von 20 – 22 % auf 29 – 35 %.
Bei der Verfütterung an Rinder wurde angegeben, dass sich in diesem Zeitraum der Anteil von genetisch unverändertem Sojaschrot von 30 % auf 70 – 80 % erhöhte.
Daraus ist zu folgern, dass im Jahr 2018 ca. 20000 bis 60000 Tonnen gentechnisch verändertes Sojaschrot an Rinder in Deutschland verfüttert wurde.
Die Viehzählung vom Mai 2020 weist einen Rinderbestand von 11,639 Mio. Tieren, darunter 3,969 Mio. Milchkühe aus (2018: 12,09 Mio. bzw. 4,17 Mio.)
Unterstellt man, dass die Gesamtmenge an Sojaschrot AUSSCHLIESSLICH an Milchkühe verfüttert werden wäre, so ergibt sich eine Jahresmenge von 5 bis 15 kg pro Kuh bzw. 13 bis 39 Gramm je Kuh und Tag!
Bezogen auf die Trockensubstanzaufnahme bei einem täglichen Trockensubstanzverzehr von ca. 20 kg je Kuh errechnet sich für Sojaschrot ein Gehalt von maximal 0,2 % und bezogen auf die entsprechende Aufnahme von Originalsubstanz in Höhe von ca. 44 kg ein Gehalt von maximal 0,09 %.
Der Wert liegt sogar unter dem Wert der nach VLOG tolerierten Verunreinigung von Einzelfuttermitteln von 0,1 %.
Im Gegensatz zu unserer oben angeführten Annahme dürfen wir zudem davon ausgehen, dass derzeit bereits das gesamte, genetisch veränderte Sojaextraktionsschrot, das an Rinder in Deutschland verfüttert wird, im Trog von Mastrindern landet.
Der aktuelle Arbeits-, Untersuchungs- und Kontrollaufwand ist heute nicht mehr zu rechtfertigen. Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gegeben.
Mittlerweile haben sich Milchproduzenten und Erzeugerorganisationen im Eiltempo an derartige Kontrollen gewöhnt und unterstützen die Umsetzung bzw. Einhaltung der VLOG-Bestimmungen.
Gleichzeitig diskutiert auch niemand mehr, dass der Einsatz von GVO-Futtermitteln nicht im Produkt Milch nachweisbar ist.
Bei angenommenen, jährlichen Kosten in Höhe von 500 € je Einzelbetrieb, die die Verarbeiter- und Erzeugerebene belasten, gehen somit den Deutschen Milchproduzenten ca. 30 Mio. € verloren.
Es ist an der Zeit, dass Milcherzeugerorganisationen und Milchverarbeiter gemeinsame Wege finden, um den erreichten Stand der GVO-freien Milchproduktion aufrecht zu erhalten – sofern man das will – und den Aufwand hierfür für alle Beteiligte auf ein Minimum zu reduzieren.
Vorstellbar ist, dass Milcherzeugerzusammenschlüsse für ihre Mitglieder gegenüber der aufnehmenden bzw. verarbeitenden Hand erklären, dass ihre Mitglieder in der Milchkuhfütterung keine Futtermittel einsetzen, die genetisch veränderte Pflanzen darstellen oder Teile bzw. Bestandteile von genetisch veränderten Pflanzen enthalten.
Mitglieder von Erzeugerzusammenschlüssen erklären gegenüber ihren Gesellschaften im Rahmen von Selbsterklärungen, dass sie diese Voraussetzung erfüllen. Nicht organisierte Milcherzeuger erklären sich sinngemäß gegenüber der ihre Milch abnehmenden Hand.
Hierzu ein Ausblick nach Schweden: bereits seit 1996 gibt es eine freiwillige Vereinbarung zwischen Molkereien und Bauern zur Produktion gentechnikfreier Milch, die jährlich erneuert wird (Feednavigator.com / VLOG).
Dieses Modell wäre auch auf Deutschland übertragbar.
Sollte nicht grundsätzlich Verantwortung an Bauern für ihre Produkte zurückgegeben werden, anstatt sie mit überholten und überflüssigen Kontrollen zu belästigen? Sollte nicht entschwundener Einfluss auf das Produkt und die Produktqualität vermehrt wieder in die bäuerliche Hand gelegt werden? Es könnte auch eine Chance bezüglich der Rückeroberung von Vertrauen aufgrund erlittener und ständig gelebter Vertrauensverluste für den ganzen Berufsstand sein. Außerdem wäre es ein Schritt hin zur Verminderung von Bevormundung und Abhängigkeiten bzw. zur Erhöhung von Selbstbestimmung und freiem Handeln.
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